„Grüne“ Evangelikale strebt höchstes Staatsamt an


Die Politikerin Marina Silva. Foto: flickr.com/msilvaonline Brasilia (idea)
In Brasilien könnte eine „grüne“ Evangelikale für das höchste Staatsamt kandidieren. Die 56-jährige Marina Silva – Mitglied der pfingstkirchlichen „Versammlungen Gottes“ – hat beste Chancen, die Nachfolge des tödlich verunglückten Spitzenkandidaten der sozialistischen Partei PSB, Eduardo Campos, anzutreten. Der 49-Jährige war am 13. August bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.
Die ehemalige Umweltministerin Silva ist seine Stellvertreterin. Sie hatte den gemeinsamen Flug mit Campos in letzter Minute abgesagt, weil sie einen Werbespot für die PSB aufnehmen sollte. Nach dem Absturz zeigte sie sich schockiert und betete um Gottes Beistand für die Witwe und ihre fünf Kinder. Die PSB hat zehn Tage Zeit, um die Nachfolge zu regeln. Die Präsidentschaftswahl findet am 5. Oktober statt. Bisher kandidieren Präsidentin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei PT und Aecio Neves von der sozialdemokratischen PSDB. Von der Befreiungstheologie zur Pfingstbewegung Silva wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Regenwald auf. Sie besuchte eine katholische Schule und lernte die Befreiungstheologie kennen. Im Jahr 2004 schloss sie sich den Versammlungen Gottes an. Die Umweltschützerin engagierte sich bis 2009 in der PT und war als Umweltministerin tätig. Sie trat jedoch aus Protest gegen den wachstumsfreundlichen Kurs der damaligen Energieministerin Rousseff aus dem Kabinett und der PT aus. Bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2010 kandidierte sie für die „grüne“ Partei PV und erhielt 20 Millionen Stimmen. Im vorigen Jahr gründete sie die Umweltpartei „Netz für Nachhaltigkeit“, doch weil diese nicht fristgemäß von den Wahlbehörden anerkannt wurde, schloss sie sich der PSB an. Rückhalt findet Silva weniger bei der Wirtschaft als bei ärmeren Schichten der Gesellschaft. Protestanten legen zu Unter ihnen gewinnt auch die Pfingstbewegung im traditionell katholischen Brasilien immer mehr Anhänger. Wie aus einer 2013 veröffentlichten Langzeitstudie des US-amerikanischen Forschungsinstituts Pew Forum (Washington) hervorgeht, sind zwar immer noch rund 123 Millionen der mehr als 192 Millionen Brasilianer katholisch, doch ihr Bevölkerungsanteil ist seit 1970 von 92 Prozent auf 65 Prozent gesunken. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Protestanten von fünf auf 22 Prozent, der Nichtreligiösen von ein auf acht Prozent und der Anhänger andere Religionen von zwei auf fünf Prozent. Der Volkszählung von 2010 zufolge leben in Brasilien etwa 42 Millionen Protestanten, zwölf Millionen Nichtreligiöse und zehn Millionen Anhänger anderer Religionen, etwa spiritistischer und afro-brasilianischer Bewegungen.

Quelle: IdeaSchweiz.ch